Grußtext Gemeindeblatt 03/11   Startseite

Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rublev, um 1411, nach 1. Mose 18
Trinität – Krönung des Glaubens

Zuletzt, ihr Geliebten,
freut euch,
lasst euch zurechtbringen,
lasst euch mahnen,
habt einerlei Sinn, haltet Frieden!
So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.
2. Kor. 13, 11-13

Liebe Gemeindeglieder und Gäste!
„Gott ist Liebe“, Gott hat dich lieb“: Wir sagen das manchmal so selbstverständlich dahin, als gäbe es nicht auch die Entsetzlichkeiten, die Gott zulässt oder gar selbst verursacht.
Paulus aber beginnt seinen Segenswunsch an die Gemeindeglieder bewusst nicht mit der „Liebe Gottes“, sondern mit der „Gnade unseres Herrn Jesus Christus“.
Paulus hatte, bevor er Christ wurde, einen starken Glauben an den einen Gott, er eiferte für Gott, für die Rechtgläubigkeit, er verfolgte diese neue, in seinen Augen gotteslästerliche Sekte der Christen mit glühendem Eifer – bis der auferstandene Christus selbst ihm in göttlichem Lichtglanz vor Damaskus begegnete, so dass er blind wurde und nach drei Tagen alles mit neuen Augen sah. Seither erkannte er die Liebe Gottes allein in der Gnade Jesu Christi.
Christlicher Glaube beginnt bei Jesus und vollendet sich auch in ihm. Martin Niemöller sagte einmal, bewusst provozierend: Wenn Jesus nicht wäre, wäre ich Atheist. Aber weil er in Jesus die Liebe Gottes fand, wurde er ein geradliniger, mutiger, aufrechter Christ.
Oft habe ich von Gemeindegliedern gehört: Jesus war sicher ein guter Mensch. Aber dass ich in ihm Gott selbst finde, kann ich nicht glauben. Jesus und Gott muss man voneinander trennen. Gott ist doch sozusagen „droben überm Sternenzelt“, er ist absolut unbegreiflich, unergründlich, unfasslich.
Aber das Unfassliche an ihm ist gerade, dass er so tief „herunterkommt“ zu uns, bis in eine Krippe und an ein Kreuz; dass Gott also nicht mehr „über“ uns, ·sondern „unter“ uns sein will, so wie es eine von Martin Buber überlieferte Geschichte sagt: Der Schüler kommt zum Rabbi und fragt ihn: Meister, es wird erzählt, früher hätten Menschen Gott von Angesicht gesehen. Warum geschieht das heute nicht mehr? Darauf der Rabbi: Weil sich heute niemand mehr so tief bücken will. - Dort unten also, in der Gnade, der Zuwendung Christi zu uns finden wir die Liebe Gottes.
Nun können wir, wie weiland Goethes Faust, zu alldem sagen: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Und darum wünscht Paulus uns als Drittes „die Gemeinschaft des Heiligen Geistes“ . Denn der allein kann das bewirken, dass wir glauben. Der Heilige Geist bewirkt dieses Wunder: Lebendige, vertraute Gemeinschaft mit Gott und miteinander.
Im Grunde wünscht Paulus den Korinthern und uns am Ende seines Briefes das Schönste, was man andern und sich selbst nur wünschen kann: Freude. Liebe. Frieden.
Freut euch! sagt er. Ihr habt doch, wenn ihr auf Jesus seht und hört, soviel Grund zur Freude. Lasst euch von ihm, von der Liebe Gottes, zurechtbringen. Und haltet Frieden, gebt euch den heiligen Kuss.
Solch ein Friedenskuss war in Korinth üblich nach der gemeinsamen Mahlfeier. In unserer Gemeinde war und ist solch ein Kuss etwa ein herzliches oder tröstliches in den Arm nehmen, oder dieses sehr schöne Zeichen, wenn wir beim gemeinsamen Vaterunser im Gottesdienst einen Kreis bilden und einander die Hand reichen.
Voller Dankbarkeit verabschiede ich mich mit dem Segenswunsch: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch allen.

Ihr/Euer Pfarrer Martin Quaas

Drei und doch eins
Ich habe meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden zur Erklärung der Dreifaltigkeit Gottes gern dieses Bild vor Augen geführt:
Gott – das ist die Sonne selbst. Wir können nicht in sie hineinschauen, können uns ihr nicht nähern, ohne sofort zu vergehen. Aber: Die Sonne sendet ihre Strahlen zur Erde. Gott wird Mensch, kommt in Jesus zur Welt, macht sein Licht für uns klein, wohltuend, bergend.
Und die Wirkung der Sonnenstrahlen auf der Erde? Sie schaffen Fruchtbarkeit und Wachstum, Freude und Wärme, Licht und Leben: Gott der Heilige Geist, der Segen und Gedeihen schafft, ohne den es kein wahres Leben gibt, der unserem Leben Wärme, Helligkeit, Heiterkeit schenkt.
Die Sonne – ihre Strahlen – die Wirkung der Sonnenstrahlen: Drei und doch eins, eins und doch drei.

Grußtext Gemeindeblatt 02/11
Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten -
herrliche Feste!

Ostern: Jesus ist Sieger über Tod und Hölle!

Anderes Osterlied
Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme,
erst dann die Herrschaft der Herren,
erst dann die Knechtschaft der Knechte
vergessen wäre für immer, vergessen wäre für immer.
Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe,
wenn hier die Herrschaft der Herren,
wenn hier die Knechtschaft der Knechte
so weiterginge wie immer, so weiterginge wie immer.
Doch ist der Befreier vom Tod ja erstanden,
ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle
zur Auferstehung auf Erden,
zum Aufstand gegen die Herren,
die mit dem Tod uns regieren, die mit dem Tod uns regieren.

Kurt Marti
Bild Grusstext Gemeindebrief 2-11
Himmelfahrt: Das Fest der Weltherrschaft Jesu Christi

Man soll nicht denken, er sei dahingefahren und sitze da oben und lasse uns hier regieren, sondern darum ist er hinaufgefahren, weil er dort am meisten schaffen und regieren kann. Denn wenn er auf Erden und sichtbar vor den Leuten geblieben wäre, hätte er nicht so viel schaffen können. Denn es hätten nicht alle Leute bei ihm sein und ihm gehören können. Darum hat er eine Weise angefangen, auf die er mit allen zu schaffen hat und in allen regieren, bei allen sein und allen predigen kann, damit sie es alle hören. Drum hüt' dich ja zu denken, er sei nun weit von uns.
Im Gegenteil: Als er auf Erden war, war er uns zu fern, jetzt ist er uns nah.
Aus einer Himmelfahrtspredigt Martin Luthers


Pfingsten: Gottes Geist beschwingt

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein.
Apostelgeschichte 1, 8

Liebe Gemeindeglieder und Gäste!

Haben Sie schon mal elektrischen Strom gesehen? Verrückte Frage?! Er ist zwar unsichtbar, aber jeder weiß, dass es ihn gibt; man braucht nur den Lichtschalter anzuknipsen (oder versuchen, eine Lampe aufzuhängen): Man spürt ihn an seiner Wirkung.

Genauso ist es mit dem Heiligen Geist. Was der Strom für die Leitung ist, ist er für uns Menschen, für die gesamte Christenheit: Ohne ihn ist alles dunkel und tot. Aber wir können ihn erbitten und erfahren. Und wenn er wirkt, sprühen wir vor Leben. Der auferstandene Jesus nennt ihn eine „Kraft“ (griechisch: dynamis, woher ja das Wort Dynamit stammt). Er sagt sie den zaghaften Jüngern zu – unmittelbar vor seiner Himmelfahrt. Pfingsten ist das Fest, an dem sich dieses Versprechen erfüllt.
Martin Luther mit seiner Gabe, die Inhalte des christlichen Glaubens einprägsam und anschaulich zu erläutern, erklärt das Pfingstgeschehen so: „Der Heilige Geist kommt herab und erfüllt die Jünger, die vorher dasaßen in Trauer und Furcht. Er macht ihre Zungen feurig, dass sie keck werden und frei von Christus predigen und sich vor nichts fürchten. Da siehst du ja klar, dass es nicht sein Amt sei, Bücher zu schreiben oder Gesetze zu machen, sondern dass er ein solcher Geist ist, der in das Herz schreibt und schafft einen neuen Mut, dass der Mensch vor Gott frei und fröhlich wird, Liebe zum Herrn gewinnt und danach den Leuten mit fröhlichem Gemüte dient“.

Der Heilige Geist bewirkt also Liebe zu Jesus und Vertrauen zu Gott. Er befreit, sprengt Gefängnisse auf, schenkt uns Mut und Fröhlichkeit. Er beschwingt und beflügelt.
In einem geradezu atemberaubenden Bild sagt es der Prophet Jesaja (40,30f.): „Männer werden müde und matt und Jünglinge straucheln und fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden“.

Ich glaube, dass es nichts Notwendigeres und Schöneres gibt für die Christenheit, für die Gemeinde auf Rhodos, für Ihr und mein Leben als dies: beschenkt zu werden mit Gottes Geist. Wie oft habe ich die befreiende und heilende Kraft und das erhellende Licht des Heiligen Geistes erfahren über dem Singen, Beten, Hören in der Gemeinschaft der Gemeinde. Das Kommen und Wirken des Heiligen Geistes für uns und andere Menschen zu erbitten und in diesem Geiste mit Menschen und Mitgeschöpfen umzugehen – das ist der Auftrag der Kirche. „Die Kirche hat nicht den Auftrag, die Welt zu verändern. Aber wenn sie bei ihrem Auftrag bleibt, verändert sich die Welt“ (C.F. von Weizsäcker).

Dass Gottes Geist in der Gemeinde auf Rhodos wirkt, konnte ich während meines Dienstes hier täglich spüren. Und auch dies: Auf dieser Gemeinde liegt der Segen Gottes in reichem Maße. Für die Zeit hier bin ich sehr dankbar. Was kann ich, wenn ich Anf. Juli nach 10 Monaten Dienst den Staffettenstab weitergeben werde, der Gemeinde Besseres wünschen, als dass dieser Segen und dieser Geist auch in Zukunft bleiben und wirken möge?!
Ihr Pfarrer Martin Quaas

Grußtext Gemeindeblatt 01/11
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
(Römer 12, 21 - Jahreslosung 2011)
Liebe Gemeindeglieder und Gäste!
Meine Konfirmanden durften sich – aus einer großen Liste von Bibelworten – ihren Konfirmationsspruch immer selber aussuchen. Dieser Vers, die diesjährige Jahreslosung, gehörte (hinter Bibelworten, die von der Liebe handelten) zu den „Hits“, den meistgewählten Sprüchen – bei Mädchen übrigens noch häufiger als bei den Jungen. Ich habe mich immer darüber gefreut und gedacht: Sie wissen, was wichtig im Leben ist - und auch: realistisch; vernünftig.

Denn, das kann einem schon der gesunde Menschenverstand sagen: Böses besiegt man nicht durch Böses – man vermehrt es dadurch nur. Gewalt überwindet man nicht durch Gegengewalt, sie eskaliert dadurch nur. Sondern Böses kann in der Tat nur durch Güte überwunden werden. Allerdings gilt auch hier: Leicht gesagt, schwer getan. Böses mit Gutem zu beantworten, das erfordert innerlich starke Menschen; Menschen mit Selbstvertrauen. Ich persönlich habe erfahren: Ich kann es immer nur dann, wenn – über einem Gebet, dem mir „Einverleiben“ eines entsprechenden Bibelwortes – die Liebe Jesu mich bewegt, erfüllt, beeindruckt.
Jesus hat in der Bergpredigt Beispiele aus dem damaligen Alltagsleben dafür genannt, wie man verbissenes Schweigen, hämische Rechthaberei, unkontrollierten Zorn beim Andern lösen, überwinden, besiegen kann (Matth.5, 38 - 41). Und der jüdische Theologe Pinchas Lapide, der sich große Verdienste um Versöhnung und Gespräche zwischen Juden und Christen
erworben hat, hat erläutert, es ginge dabei im Grunde um "Entfeindungsliebe": Um eine souverän-freundliche, im Grunde respektvolle Haltung, die die Ursachen für Gewalt, Streit, Krieg beim Andern zu überwinden, vielleicht gar aufzulösen vermag.
Es gibt auch in der Gegenwart bekannt gewordene Beispiele - und Fotos davon: Das Mädchen, das mit entwaffnendem Lächeln dem Soldaten eine Blume in die Mündung seiner MG steckt. Der junge Mann in der DDR, der auf einen Volkspolizisten, dem man die Angst und Betroffenheit richtig ansehen kann, in einer Absperrkette zugeht, eine Kerze vor dessen Füße stellt und sie anzündet.
Die Jahreslosung sagt uns: Du kannst die Zahl der Beispiele vermehren. Probiere es mal aus, das Böse durch Gutes zu überwinden, einen in Weißglut geratenen Schreihals zu beruhigen, eine Verwandte, zu der seit Jahren Funkstille herrscht, zu einer Aussprache zu bewegen, einem, der auf sein Recht pocht, noch mehr als das zu geben. Wie es ausgeht, ist offen. Du gehst ein Risiko ein. Aber es könnte sich auch lohnen. Für alle Beteiligten. Und – wer weiß - es könnte Kreise ziehen.
Das wünscht Ihnen Ihr
Pfarrer Martin Quaas

Grußtext Gemeindeblatt 04/10
Verachtet ihr etwa Gottes Güte, Geduld und anhaltende Fürsorge? Seht ihr denn nicht, dass gerade diese Güte euch zur Umkehr bringen will?
(Römer 2, 4f. - aus dem Predigttext zum Buß- und Bettag)
Liebe Gemeindeglieder und Gäste!
Von September an möchte ich Ihnen hier geistlich dienen. Worum geht es mir?
Luther sagt es in der ersten seiner berühmten „95 Thesen“ so:
„Wenn unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße...(Mt.4, 17), so will er, dass das ganze Leben der Christen Buße sein soll“.
Eine täglich neue Hinwendung zu Gott, eine Umkehr zu Ihm - von einem Holzweg, aus einer Sackgasse, einem Irrweg zurück zu Ihm in die Weite und Freiheit.

Allerdings - wir verhalten uns stattdessen eher wie in dieser Geschichte:
Ein Mensch sitzt im Zug. Bei jeder Station steckt er den Kopf zum Fenster hinaus, liest den Ortsnamen und stöhnt. Nach vier, fünf Stationen fragt ihn sein Gegenüber besorgt: „Tut Ihnen etwas weh? Sie stöhnen so entsetzlich“.
Er antwortet: „Eigentlich müsste ich aussteigen. Ich fahre dauernd in die falsche Richtung. Aber hier drin ist es so schön gemütlich...“.
Handeln wir nicht so? In der gegenwärtigen Weltwirtschaft? Und im persönlichen Leben? Der Mann würde vielleicht eher aussteigen, wenn er wüsste: Mich erwartet ja etwas Wunderschönes: Eine geliebte Frau, ein kulturell-/ kulinarischer Hochgenuss, ein schöneres Leben, eine große Freude...
Und geradeso ist es mit der christlichen Buße. Christus erwartet uns. Und mit ihm Leben, Befreiung, Seligkeit.
„Ich bin gekommen, damit die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt er (Joh.10, 10 b).
Ihm dabei zu helfen, darum geht es mir. Um tägliche Buße, Hinwendung zu Ihm. Nicht nur am Buß- und Bettag, sondern auch etwa in unseren Gottesdiensten am Reformationstag, zum Erntedankfest, am Ewigkeitssonntag, und in der Adventszeit.
Es grüßt Sie herzlich Ihr neuer
Pfarrer Martin Quaas

Grußtext Gemeindeblatt 03/10
Als ich in meinem Kalender den Tag unserer Abreise anschaute, las ich das Bibelwort. "Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkünden." Es ist der Tagesspruch für den Tag der Apostel Petrus und Paulus. Beide waren viel unterwegs, so wie wir 10-Monatspfarrer ja auch nur begrenzte Zeit in der Gemeinde wirken.
Am 29. Juni werden wir nach Mecklenburg zurückkehren. Die Gemeinde hier würde sich wohl freuen, einen Pastor mal längere Zeit zu haben. Wir selber blieben wohl auch gern hier, denn Abschiede fallen nicht leicht. Der Bibelvers nennt interessanter Weise die Füße von Gottes Freudenboten und nennt gerade die Füße lieblich. Sie stehen fürs Unterwegssein. Füße bleiben nicht endlos stehen, sondern sind meist in Bewegung. Bilder der Wanderschaft, des Pilgerns entstehen vor meinem inneren Auge. Vielleicht ist die Freudenbotschaft, das Evangelium, nur so auszurichten, nur so gestaltbar. Denn als Christen sind wir im Leben ständig unterwegs.
Unterwegs zu anderen Menschen, unterwegs zu neuen Erfahrungen mit Gott, unterwegs zu neuen Erfahrungen untereinander und auch miteinander.
Wir haben auf unserer Lebensreise hier auf Rhodos intensive Monate erlebt. Wir haben eine Gemeinde erlebt, in der auch vieles in Veränderung begriffen ist. Viele gute Erfahrungen und Begegnungen durften wir machen. Freunde haben wir gefunden. Ich hoffe, durch uns erklang etwas von der Freudenbotschaft Gottes.
Was an Veränderungen und Neuanfängen unter uns und mit uns geschieht: Christus ist immer mit uns unterwegs. Er spricht uns Gutes und Heil zu auf unserer Lebensreise, ja auch der Gemeinde auf ihrem Weg in die Zukunft gilt diese Zusage. Manche Veränderungen werden sicher für die Gemeinde künftig gestaltet werden müssen. Neue Pfarrer werden kommen und gehen, um die Freudenbotschaft zu bringen. Aber eines bleibt, unser Herr, zu dem wir gemeinsam unterwegs sind. Der stabile Weg, auf dem unsere Füße vorwärts gehen, ist die gute Botschaft des Heils. Gott selbst und seine unwandelbare Liebe zu uns Menschen trägt und hält, so wie uns das Meer auf dem Fährschiff tragen wird zu neuen Ufern.
Wir blicken sehr dankbar auf das Miteinander der vergangenen 10 Monate. Erinnerungen an eindrückliche Begegnungen, gute Erfahrungen miteinander und auch viele Freundschaften nehmen wir mit. Ich hoffe, dass sich unsere Wege wieder kreuzen und uns die Wege einmal nach Rhodos führen werden. Doch entscheidend ist, dass Gottes Friede uns alle miteinander bewahrt und uns den Mut gibt, zuversichtlich auf das Ziel unseres Unterwegsseins zu blicken. So sehen wir auf dem Fährbild oben als Antenne und gleichsam Zielorientierung ein Kreuz. Bei allen Veränderungen, bei all unserem Wandern durchs Leben steht Christus und seine alles vollendende Liebe. So grüßen Euch dankbar für alles Miteinander
Eure Elisabeth und Michael Erben

Grußtext Gemeindeblatt 02/10
"Gott gebe
euch erleuchtete
Augen
des Herzens,
damit Ihr erkennt,
zu welcher Hoffnung ihr berufen seid."

Epheser 1,18
Monatsspruch April
"Augen des Herzens" auf den ersten Blick etwas Eigentümliches.
"Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar",
formulierte der bekannte französische Dichter Saint Exupery in seinem Buch "Der kleine Prinz".
Er wollte damit für die ungreifbare Wirklichkeit der Liebe und des inneren Verstehens uns die Augen öffnen. In einer Welt der berechenbaren Äußerlichkeiten sind die geistigen, menschlichen Werte oft verdeckt und verborgen. Von Augen des Herzens spricht hier die Bibel. Sie blickt dabei auf das Wesen der Hoffnung und des Glaubens. Das Herz, unser Innerstes, gleichsam die Lebensmitte im Fühlen und Empfinden.
Wie kann ich mit dem Herzen sehen?
Unzählige Bilder im Innern stehen mir vor Augen oder tauchen aus unbewussten Tiefen auf. Nicht immer nur trostvolle Bilder, sondern auch Bilder des Schreckens und der Angst. Auch für das Herz brauchen wir klare Augen, Hilfreiches und Zerstörendes zu unterscheiden, Wesentliches vom Unwesentlichen zu trennen. Erleuchtete Augen des Herzens sind ein Geschenk des Himmels. Nicht jeder sieht mit seinem Herzen wirklich gut. Unter vielen angstvollen, lieblosen oder egoistischen Gedanken kann auch der Blick des Herzens getrübt sein.
Wir stehen vor Ostern: In der Liturgie von Karfreitag und Ostern wird unser Herz von der Dunkelheit des Leidens hin zum Licht der Hoffnung geführt. Nicht wir und unser eigenes Herz stehen im Mittelpunkt, sondern in die Tiefe des Herzens darf die Botschaft dringen, was Jesus Christus für uns tat.
Von dem leidvollen Karfreitag werden wir aus unserer eigenen Dunkelheit, allem Leid und aller Verzweiflung abgeholt. Wir sollen uns innerlich mitnehmen lassen zum unfassbaren und wunderbaren Licht der Hoffnung, das mit der Auferstehung Jesu Christi auch für unsere eigene Dunkelheit und eigene Schuldverflechtung Hoffnung erschließt.
Gerade orthodoxe Osterliturgie, so erzählten mir viele hier, rührt tief das Herz an. Wenn dann jeder mit dem in der Kirche entzündeten Osterlicht nach Hause geht, darf tief im Herzen uns das Licht aufgehen. Wir sind zu neuer unbegreifbarer Hoffnung berufen. Wer wir auch sind, Gottes ewiges Licht scheint für Dich und mich. Zu Ostern haben die Jünger es erfahren und einander weiter gesagt: Ich habe den Herrn gesehen.
Die Radierung von Thomas Zacharias drückt es für mich einmalig aus: Über alle denen, die sich ängstlich zusammen kauern, wie eine dunkle Wolke, ruft die lichtvolle Gestalt: „Ich habe den Herrn gesehen“! Von dieser Botschaft sind die Augen der grauen Gestalten nun selber beschienen. Auch ihre Augen sind bzw. werden geöffnet. Damit können auch ihre inneren Augen Hoffnung für ihr Leben erkennen oder neu entdecken.
So wünsche ich uns auch dies: Gott gebe auch uns allen erleuchtete Augen!
Es grüßen Euch herzlich zum Osterfest
Ihre Elisabeth und Michael Erben

Grußtext Gemeindeblatt 01/10
Christus spricht:
"Euer Herz erschrecke nicht!
Glaubt an Gott und
glaubt an mich".

Johannes 14,1


Ein gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Geleit für das Neue Jahr!
Dieses Bibelwort haben die Kirchen als Leitwort über das Jahr 2010 gestellt.
Vieles kann Menschen unserer Tage in Angst und Schrecken versetzen: Die Folgen der Bankenkrise sind noch kaum überwunden. Was mag uns das neue Jahr da bringen? Nachrichten über Zeichen des Klimawandels erschrecken viele.
Aber auch persönlich mag es Erschreckendes geben: Krankheiten, familiäre Konflikte…. Das Ungewisse weckt Angst. Wir fühlen uns irgendwie in die Enge getrieben; wir können nicht den Weg sehen, nicht in die Weite blicken. Doch da dürfen wir die Stimme Christi hören:
Euer Herz erschrecke nicht!
Wie oben das Foto, die Aussicht vom Kreuz auf Filerimos ins weite Land den fernen Horizont sehen lässt, so können wir vertrauen: Gott sieht mehr, sieht weiter als wir.
Ich kann Christus vertrauen, denn er hat selbst das Dunkel des Todes durchschritten und besiegt. Mit Jesus an der Seite können wir dem Angstmachenden in die Augen schauen, es vor ihm aussprechen. Wir brauchen uns durch nichts dauerhaft einschüchtern zu lassen, weil Christus an unserer Seite ist. Er spricht wie ein Vater seinen Kindern Mut zu. Wenn sie selber die Situation nicht überblicken, finden sie dadurch Kraft.
So können wir trotz allem, was an Erschreckendem auf uns zukommen mag, getrost in die Zukunft gehen, sie gestalten und Hoffnung behalten! So grüßen Sie, auch im Namen des Vorstandes,
Ihre Elisabeth und Michael Erben

Grußtext Gemeindeblatt 04/09
"Die auf den Herren harren, bekommen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln, wie Adler, dass sie laufen und nicht müde werden."
Mit diesem Wort aus dem Jesajabuch 40,31 möchte ich als neuer Pastor alle Besucher unserer Website herzlich grüßen. Seit dem 30. August sind meine Frau Elisabeth und ich, Michael Erben, nun offiziell im Gottesdienst in die Gemeinde eingeführt.
Wir wurden sehr herzlich empfangen. Beim Büfett nach dem Gottesdienst, das reichhaltig und sehr schön war, konnten wir gleich einige von Euch kennen lernen.
Wir freuen uns hier zu sein und 10 Monate lang mit der Gemeinde leben zu können. Sicher werden wir mit vielen von Euch ins Gespräch kommen. Wir sind gespannt auf Eure Erfahrungen und Gedanken.
Auch wenn wir vor der Abreise manchmal etwas unsicher waren: Ist die Entscheidung, noch einmal zu einem Auslandsdienst aufzubrechen, richtig? Werden wir den neuen Anforderungen gewachsen sein? Der Blick auf Gott und seine Verheißung gab und gibt Kraft und Mut. Auch wenn das Wort „harren“, das die gute Nachricht mit „vertrauen“ wiedergibt, heute ungebräuchlich ist, habe ich mich als Überschrift doch für diese alte Lutherübersetzung entschieden. Denn „harren“ erinnert daran, dass es im Hoffen und Vertrauen auf Gott auch Durststrecken gibt, Zeiten, wo wir uns manchmal mutlos fühlen. Gerade die starken Vertrauensbilder, wie dieses Wort von den Flügeln des Adlers, wollen uns ja auch in menschlichen Krisen und Tiefen abholen. Mir erscheint der Adler dabei als ein sehr interessantes, mehrschichtiges Symbol. Einerseits ist der Adler in vielen politischen Wappen ein Symbol für Macht, ein Bild für das Vertrauen von Menschen auf eigene Stärke und Durchsetzungskraft. Der Adlerkopf mit Raubtier-Schnabel und scharfen Krallen hat sehr bedrohliche Züge. Durch das Setzen auf menschliche Stärke und Macht wurden viele zu Opfern gemacht nach der Devise: "Dem Starken gehört das Recht!" Doch Gott gibt uns mit dem Bild von den "Flügeln des Adlers" ein entgegengesetztes Bild. Gerade Schwachen und Unterdrückten gibt das Symbol von den Flügeln des Adlers Mut. Auch die dürfen aufatmen und neue Schritte wagen, die sich unter den üblichen Forderungen nach Leistung, Kraft und Stärke unterlegen fühlen. Denn der Adler mit seinem Kopf und scharfen Krallen ist klein gegenüber der ungeheuren Weite seiner Flügel. Fast bis zu drei Metern kann die Spannweite der Flügel des Adlers betragen. Diese Flügel tragen den Vogel hoch in die Lüfte und über Abgründe.
Die Jungtiere finden auf den Adlerfittichen Platz und werden von den Flügeln der Mutter aufgefangen, wenn sie selber nicht weiter können. Über schwindelnde Höhen hinweg werden sie so von dem Adler getragen. Wenn wir nicht weiter wissen, gibt der Glaube uns gleichsam solche Flügel. Wo wir zweifeln, wir uns müde und matt fühlen, will Gott uns über die Abgründe des Lebens tragen. Im Gebet, im Hören auf Gottes Wort und im Miteinander der Gemeinde können wir die Kraft spüren, von der das Bibelwort spricht.
Dieses Wort aus Jesaja 40 spiegelt für mich auch ein Stück der Erfahrung wieder, die wir als Kirche in den Jahren der DDR und bei der Wende erleben durften. Denn die Mächtigen in der DDR ließen uns eigentlich fühlen: Kirche und Glaube sind ein Relikt aus vergangener Zeit. Andere haben jetzt das Sagen. Manchmal dachten wir: Wie soll es mit der Gemeinde weiter gehen? Dann aber durften die bescheidenen Friedensgebete und kleinen Gemeindegruppen Ferment und tragende Kraft werden für die friedliche Revolution, die ja vor 20 Jahren zur Einheit Deutschlands führte. So möchten wir mit diesem Bibelwort Euch herzlich grüßen, die Ihr mit dem Ökumenischen Begegnungszentrum auf Rhodos Kontakt habt.
Eure Elisabeth und Michael Erben

Grußtext Gemeindeblatt 03/09
Ihr Lieben,
nun ist es also wieder so weit: Wir müssen Abschied nehmen. Eigentlich habt Ihr alle ja schon große Übung darin. Wie viele Pfarrersleute und Gemeindemitarbeiterinnen habt Ihr nicht schon verabschiedet. Befreundete Urlauber kommen, nehmen am Gemeindeleben teil und gehen dann auch wieder, und manchmal zieht jemand aus der Gemeinde mit oder ohne Familie ganz nach Deutschland zurück. Sie alle hinterlassen eine Lücke.
Aber wir brauchen keine Angst zu haben: Die Verbindung bleibt. Selbst in der Alten Welt der Apostelgeschichte, in der Entfernung eine ganz andere Rolle spielte als heute, blieben Menschen miteinander in Verbindung – so haben wir es im Winter im Bibelkreis ausführlich gelesen. Über alle Grenzen und Entfernungen hinweg wusste man sich im Glauben vereint.
Auch reisten Boten mit Briefen und Grüßen hin und her; Briefe wurden weiter gereicht und Nachrichten ausgetauscht. Das Netz gegenseitiger Anteilnahme war gut und sicher gespannt.
Heute hat sich dieses Netz noch verdichtet. Wir werden uns nicht aus den Augen verlieren. Wir werden uns gegenseitig nie gleichgültig werden. Das Stück Weges, das wir miteinander gegangen sind, hat uns verbunden! Wir sind vertraut geworden miteinander und können es bleiben. Anteil nehmen und geben ist auch möglich über große Entfernungen hinweg. Und nach dem Abschied wird sich der Horizont weiter öffnen. Mit einer neuen Begrüßung wird aufs Neue dieser faszinierende Vorgang beginnen: Menschen lernen einander kennen und werden miteinander vertraut.
Wir danken Euch, dass wir bei Euch und mit Euch leben durften! Wir wünschen Euch und allen Gästen und Freunden unserer Gemeinde eine gute, gesegnete Sommerzeit und grüßen Euch herzlich

Eure Christine und Joachim

Grußtext Gemeindeblatt 02/09
Ihr Lieben,

"Ich gebe dir zehn Euro, wenn du mir sagen kannst, wo Gott ist", meinte Peter selbstsicher. "Und ich gebe dir zwanzig Euro, wenn du mir sagen kannst, wo Gott nicht ist", parierte Anna.

Ja: Zum Glauben an Gott gehört es dazu, sich Gott als "allgegenwärtig" vorzustellen. Gott wäre nicht Gott, wenn er, wie eine Gestalt mit einem festen Umriss, irgendwo Grenzen hätte, irgendwo "zu Ende" wäre. Wir finden es ja auch selbstverständlich, dass Gott im selben Augenblick unsere eigenen Gefühle und Gedanken ebenso wahrnimmt wie die Gefühle und Gedanken aller Lebewesen rund um den Erdball. Wo auch immer ich mich aufhalte, darf ich zu Gott sagen: "Von allen Seiten umgibst du mich".
(Psalm 139,5)
Auf der Suche nach menschlichen Worten und Bildern, mit denen wir der unbegreiflichen Allgegenwart Gottes ein wenig näher kommen, spricht die Bibel gern vom Atem, vom Lebenshauch Gottes. Das griechische Wort dafür, Ihr kennt es alle, ist "Πνεύμα" das deutsche "Geist".     "Gott ist Geist", sagte Jesus zu Nikodemus. Ein Fest der Erkenntnis, dass Gott Geist ist, so könnte man das Pfingstfest nennen. Von "Göttlichem Geist" erfüllt erlebten sich damals die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Sie erlebten, dass Gott nicht nur außerhalb von ihnen ist, nicht nur "oben", sondern dass sie selbst bis ins Innerste ihres Wesens hinein von Gott erfüllt sind.
Und sie erlebten, dass Gott ihnen Mut macht, dass Gott ihnen vieles zutraut und ihnen dabei hilft, entsprechend zu leben. Es ist sicher hilfreich für unser Nachdenken über Gott, und es belebt unseren Glauben, wenn wir uns immer neu klarmachen: Gott ist allgegenwärtig, Gott erfüllt auch mich selbst ganz und gar. Gott macht nicht Halt vor meiner Haut und vor meinen Gedanken und Gefühlen. Gott lebt auch in mir. Auch ich lebe in Gott.

Wir wünschen Euch eine gesegnete Passions- und Osterzeit und ein frohes, zuversichtliches Herz durch den Glauben, dass Gottes Geist uns erfüllt!

Eure Christine und Joachim

Grußtext Gemeindeblatt 01/09


Ihr Lieben,
Talitha kumi - Mädchen, steh auf! Das Markus-Evangelium berichtet, Jesus habe mit diesen Worten ein lebloses Kind ins Leben zurückgerufen.
Talitha kumi - Mädchen, steh auf! Diesen Namen gab sich vor hundertfünfzig Jahren eine evangelische Mädchenschule in Beit Jala bei Bethlehem. Heute lernen dort 850 christliche und muslimische Jungen und Mädchen gemeinsam und leben ein friedliches Miteinander vor.
Die Schule, der unsere Sonntagskollekte vom 18. Januar zukommen wird, liegt in der militärisch abgeriegelten Palästinenserzone um Bethlehem. Viele Kinder sind schwer traumatisiert durch das tägliche Erleben von Hass und Gewalt. Die Elterm sind meist arbeitslos, es herrscht viel Not.
Dennoch: Mit ihrem Logo - eine weiße Taube mit Ölzweig vor einer zerspaltenen und stacheligen Welt - beteuert die Schule: Trotz aller Gewalt und Not bemühen wir uns um Versöhnung und Frieden. Wir vertrauen darauf, dass Gott Gutes mit uns Menschen im Sinn hat, und dass er uns Kraft und Mittel geben wird, um daran mitzuarbeiten.

Talitha kumi - Mädchen, steh auf! Das leblose Kind - es könnte ein Bild sein für unser schwaches Vertrauen auf Gottes Kraft. Doch wir können uns, wie es Schüler und Lehrer in Bethlehem tun, immer wieder anspornen lassen von dem Versprechen Jesu: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. (Lukas 18,27)
Das ist die Losung für das kommende Jahr.
Von Herzen wünschen wir euch allen und uns selbst, dass durch eine solche Er-mutigung unsere Zuversicht auf Gottes Beistand wieder richtig lebendig wird, dazu, auch im Namen des Kirchenvorstands, ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes Neues Jahr.
Eure Christine und Joachim

Grußtext Gemeindeblatt 04/08
Mein Herz, Gott, ist nicht hochmütig,
und meine Augen schauen nicht nach Ruhm und Reichtum aus.
Ich gehe nicht mit großen Plänen um,
träum' nicht von Dingen, die mir unerreichbar sind.
Ruhig ist und still meine Seele.
Ich lehrte meinem Herzen Frieden.
Wie ein gestilltes Kind auf seiner Mutter Schoß,
so ruht in mir meine Seele.
Verlass' dich, Israel, auf Gott. Er ist dir nahe,
heute und alle Tage und für ewige Zeiten.
Amen.
(Psalm 131)
Ihr Lieben,
manchmal seufzt ein Mensch und fragt sich, ob sich all seine Mühe denn gelohnt hat. Was habe ich erreicht? Ich bin müde und ausgelaugt. Bin ich überhaupt auf dem richtigen Weg? Hätte ich nicht besser dies und jenes tun sollen? Wo sind meine Ziele geblieben, wo meine Träume? Wofür werden meine Kräfte überhaupt noch ausreichen? Ach Gott!
Wirklich, ach Gott! Beten wäre jetzt vielleicht gut. Ob es helfen würde? Ich weiß ja gar nicht, worum ich beten soll. Ich finde keine rechten Worte.
Und wenn ich mir einmal Worte leihen würde, mit denen andere gebetet haben? Uralte Gebete wie zum Beispiel diesen Psalm? Wie viele Menschen mögen ihn seit Jahrtausenden gebetet, geflüstert, gesungen haben.
Vielleicht machen auch mich diese Worte ruhig. Vielleicht greifen sie meine Müdigkeit auf und verwandeln sie in Gelassenheit. Ich lasse sie in mir wirken. Ob ich etwas spüre von der Geborgenheit in Gottes Schoß, und mein Herz still wird.

Herzlich grüßen Euch
Christine und Joachim