Die Freude der Buße
- so lautet der Titel eines Buches des Theologen Julius Schniewind, das ich im Studium mit Begeisterung las.
Buße und Freude – wie geht das zusammen?
Am schönsten beantwortet Jesus das im Gleichnis vom Verlorenen Schaf. Da ist das „Schäfchen“ in seiner Angst und Verlorenheit – und der Gute Hirte sucht und sucht und findet es – und trägt es auf seinen Schultern heim „voller Freude“ (Lukas 15,5).
Der Hirte freut sich! Und das Schaf natürlich auch: Es spürt, wie wertvoll es ist, es weiß sich geborgen, es findet (wieder) ein Zuhause – in der Gemeinschaft der Gemeinde. Das ist Buße, ist Umkehr im christlichen Sinne: Sich heimtragen lassen.
Das Wort für „Buße“ im griechischen Urtext des NT heißt metanoia: Umdenken, neues Denken. Neues denken über Gott, über die Welt, über sich selbst, über den Andern/die Andere: Von Liebe und Dankbarkeit erfüllt werden.
Wussten Sie, dass die Adventszeit ursprünglich eine Bußzeit war, die sechs Wochen dauerte, also vierzig Tage lang - entsprechend der Passionszeit? Am 11. November wurde nochmal tüchtig gefuttert (daher die Martinsgans), dann begann die stille Zeit der Hinwendung, der Umkehr, der Vorbereitung auf das unfassliche Wunder der Heiligen Nacht:
Gott kommt herunter, wird einer von uns, kommt – auch heute - dort zur Welt, wo wir nicht hindenken, wo wir Ihn nicht erwarten. So wie es Friedrich Schwanecke in seinem Gedicht „Advent“ sagt:
Sie schauen nach oben
und warten auf den,
der da kommt.
Doch von oben kommt er nicht.
Vergebens
schauen sie, indessen
hinter ihrem Rücken
der da kommen soll,
kommt.
kerzen

Vorbereitung im Advent
Ein Mann erfuhr, dass Gott zu ihm kommen wollte.
"Zu mir?" schrie er. "In mein Haus?"
Er rannte durch alle Zimmer, kletterte zum Dachboden hinauf, stieg in den Keller hinunter. Er sah sein Haus mit anderen Augen.
"Unmöglich!" schrie er. "In diesem Dreckstall kann man keinen Besuch empfangen. Alles schmutzig. Voller Gerümpel. Stickige Luft!"
Er riss Fenster und Türen auf.
"Freunde, Nachbarn", schrie er. "Helft mir aufräumen! Bitte!"
Er fing an, sein Haus zu kehren. Durch dicke Staubwolken sah er, dass ihm einer zu Hilfe gekommen war. Sie schleppten das Gerümpel vors Haus, schrubbten Treppen und Böden, putzten die Fenster. Und immer noch klebte Dreck in den Ecken.
"Das schaffen wir nie", schnaufte der Mann.
"Das schaffen wir", sagte der andere.
Sie plagten sich den ganzen Tag. Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch für das Festmahl.
"So", sagte der Mann dankbar und voller Erleichterung zu seinem Genossen, "jetzt kann er kommen, mein Besuch. Jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?"
"Aber ich bin doch da", meinte der andere. "Komm, lass uns feiern!".

Martin Quaas

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